Letztes Jahr mieden wir sie noch, machten riesige Bögen um sie: Die Emos - denn man könnte uns versehentlich mit ihnen verwechseln. Und wir könnten unsere Coolness einbüsen, wenn wir mit ihnen in Berührung kommen.
Ganz im Gegensatz zu den Emo-Kids, die nicht selten eine Art Bewunderung für die Gothic-Szene ausüben.
Fragt man Anhänger der Gothicszene, was sie von Emo halten, dann distanzieren sie sich, oder sehen es nicht als eigene Szene, sondern sehen Emo als ein Sprungbrett zum Gothic.
Und tatsächlich. Dieses Phänomen beobachtet man in mehreren Städten: Sie kleiden sich wie Grufties, nur die Frisuren, die Haltung oder manchmal auch ein Überbleibsel von Totenkopf-Herzen oder Sternchen, deutet noch drauf hin, woher sie kommen. Sie sind jung - wirklich jung.
Während wir mit 16 uns noch stylten wie blöd und der Meinung waren, dass unser erster Ledermantel, den wir Secondhand gekauft haben (und trotzdem unser ganzes Taschengeld verschlang), das coolste auf der Welt sei. Yeah Baby, und deshalb trug ich ihn täglich.
Dabei war ich noch harmlos mit meinen Style-Sünden. Den neuen, jungen Grufties steht einiges bevor. Erst müssen sie (sich) beweisen, dass sie zur Szene gehören (zumindest denken sie das) und dürfen dabei in keine Emo-Falle tappen. Da sie aber meistens zu zweit oder zu dritt unterwegs sind, macht es das schwieriger neue Leute kennenzulernen.
Ex-Emos, so nennen wir unsere jugnen Studienobjekte mal, sind zur Tatsache gekommen, dass Emo dich nicht beliebt macht, nicht mal beliebt bei einigen wenigen, eben weil du unbeliebt bist, denn du bist kein Rebell, sondern es will einfach niemand was mit dir zu tun haben. Sie haben keine direkte Szene, ausser ihre Konzerte und im Sommer ihre Park-Treffpunkte. Logischerweise sucht man sich was anderes, und man merkt ziemlich schnell, dass man in der Gothicszene ziemlich gut Fuss fassen kann - schliesslich gibts dort jede Menge Psychopathen und so gut wie alles ist erlaubt.
Ex Emos kommen mit dem Sommer. Ich hab viele Gesichter gesehen, die mir bekannt vorkamen, bis es klick gemacht hat: Das waren die Emo-Kids vom letzten Jahr. Sie schauen aus wie aus meiner Szene, und trotzdem setzen sie sich nicht zu uns rüber - sie trauen sich nicht.
War ich jemals gemein zu ihnen?
Nun gut, ich hab sie gemieden, ganz einfach.
Jetzt ham mer schon Herbst und bald kommt der Winter, wartet nur bis in den Frühling, dann spriessen sie wieder... überall!
Jetzt sieht man welche sogar hinundwieder an einer Party an der Bar sitzen.
Sie werden bestimmt bleiben, bei den ganzen Fake-Borderliners, den Knallbonbon-Tussen und den verrückten, bekennenden Antichristen.
Naja und vielleicht auch bei einer Nullachtfünfzehn wie mir.
Und siehe da, dass Thema Emo-Witze scheint irgendwie vom Tisch...
Freitag, 9. Oktober 2009
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